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    EXPO 2012 Blog 1: „Adieu, aaadieuuuu, mes amis!!!!“ ruft er dem ratternden Lastwagen hinterher, während dieser eine glitzrige Benzin-Fährte hinter sich her zieht und Richtung Sonnenaufgang donnert. (Heute hat ein raubeiniger Spediteur mit dicken Fingern meine zart geliebten Instrumente in seinen Anhänger geschmissen. Wenigstens hat er sich für den rüden Wurf Handschuhe angezogen. Hund, der. Ich habe Stunden vorher hingebungsvoll jedem Instrument ein Abschiedsgebet gewidmet und feinsäuberlich in Plastik eingehüllt. Ihr wisst schon, das mit den luftgefüllten Täschchen, die so lustig knacken, wenn man drauf rum springt oder mit dem LKW drüber fährt. Ich habe sie gezählt. Die Täschchen, mein ich. Wehe, ein einziges ist geplatzt, wenn ich meine Instrumente in einer Woche wieder auspacke. Goodbye, my dears. I’ll see you on the other side of the globe. So. Und jetzt. Was mache ich jetzt? Phhh. So ohne Klampfen, Tasten und Hörner fühl ich mich ganz einsam. Muss Warten. Mag ich gaaar nicht. 3 Tage. 3 Nächte lang. Noch mal Adresse checken, wo die Instrumente hin müssen. Zürich – Helsinki – Seoul - Yesu. Jesu? Irgendwie heisst der Ziel-Ort anders. Shit !!!!) Und er rennt panisch, mit gellenden Rufen und wild fuchtelnden Armen der Benzin-Fährte hinterher.Facebookphoto of Gustav 1
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    ein held meiner jugend tot. shit. http://www.bernerzeitung.ch/kultur/diverses/Beastie-Boy-Adam-Yauch-ist-tot/story/27782953 Facebookphoto of Gustav 3

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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

C., meine liebe Freundin vom Bundesamt für irgendetwas, lic. phil. Psychologin und meine liebste Zuhörerin und Beraterin, wenn ich mal wieder die ganze Welt gegen mich habe, und am jammern, wehklagen oder am grundlos lamentieren bin, die liebe C. also, hat letzthin den richtigen Fachausdruck für meinen momentanen Gefühlszustand gefunden: vulnerabel. Leicht verletzlich, verletzbar. Zu "vulnerabel" gesellen sich noch empfindlich, empfänglich, dünnhäutig, ichgestört, offen, so richtig offen, alle Fenster offen, ein verdammter Durchzug durchs ganze Haus, so siehts momentan in mir aus. Grund für diesen "Vulerabelinstabilitätseelenluftzug" ist der Endspurt für mein neues Album, das anfangs 010 erscheinen wird. Da mag ich grad überhaupt nichts vertragen, alles geht geradewegs rein und nistet sich irgendwo in den tiefsten Schlupfwinkeln meiner geschundnen Seele ein.

Seit einigen Tagen bin ich mit einem wunderbaren Team hier in der Stadt Freiburg im Studio. Spur für Spur werden nun die Songs, die ich in den letzten Monaten in mühsamster Arbeit auf Papier gebracht habe, von virtuosen Musikern aus der ganzen Schweiz eingespielt und von Darren, dem wohl am besten deutschsprechendsten-aber-kein-einziges-Wort-auf-französisch-verstehenden Australier weltweit, aufgenommen (ich weiss noch bis jetzt nicht, wie der ohne Französischkenntnisse den Weg ins Studio gefunden hat - Australier halt, die sind es gewohnt, sich durchzuschlagen). So wird französisch, englisch, spanisch, luzernern -, berner -, züri - und seislerdeutsch gesprochen und man versteht sich gut, wenn nicht verbal, dann sicher mit Musik. Im Übrigen schreibe ich diese Zeilen gerade in meinem Aufnahmekämmerchen, währenddessen der Andi auf seinem Schlagzeug irgendwelche Pauken stimmt und ein berndeutsches Liedchen singt, der Darren brüllt in seinem Regieraum englische Fluchwörter, die ich noch nie gehört habe, fluchen deshalb, weil das Mischpult nicht so funktioniert, wie es sollte, der welsche Pianist fragt mich zum hundertsten Mal: "je dois jouer le ré mineur comme ça (er spielt) ou comme ça (er spielt ihn noch einmal - ich höre keinen Unterschied). "Spöu ne ifach irgendwie, nondetschö!" sage ich.

Eingekerkert in schwarze Räume, in denen überall Kabel und Mikrofone, Pommes Chips und Bierdosen, Notenpapier und Songtexte herumliegen, entstehen Tonspur für Tonspur die Arrangements der Songs. Der vorerst noch magere Knochen, an dem nur ein Schlagzeug, ein Bass und eine Gitarre klebt, bekommt mit jedem neuen Musiker, der unsere Katakombe betritt, mehr Fleisch und wird nach und nach ein saftiger Schinken. Wird gut, glaube ich. Hoffe ich. Es muss. Zuviel Arbeit, Zeit und Herzblut steckt in diesen Liedern, das Album muss gut werden. Aber wird es gut? Ja es wird! Nein, es muss besser werden, alles zu wenig gut. Das beste muss es werden. Und wenn nicht? Doch, es wird, nein es wird schlecht, doch, nein, vielleicht ... oh Gott, oh Gott, ich bin derart im Selbstzweifel und in der Selbstzerfleischung, dass ich schon gar nicht mehr richtig höre, was gut oder schlecht ist, was nach Inhalt oder nach Bullshit klingt. Zum Glück sind da Leute um mich herum, die noch frische Ohren haben und alles mit etwas Abstand und Nüchternheit betrachten können. Ach, ich will euch nicht mit diesem Studio-Zeugs den schönen Samstag vermiesen. Einfach soviel, ich bin hier in der Grube, hadere mit mir und meiner Musik, es geht auf und ab und auf, und auf -  ja, es geht vor allem aufwärts. Noch paar Wochen und dann komme ich wieder raus. Raus ins Leben.

Liebe Grüsse aus dem Kellerloch, Gustav

PS:

Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn nach anderthalb Jahren Arbeit das Album fix fertig in meiner Hand liegt, und der erste, der mir über den Weg läuft salopp und kühl meint: "Nicht schlecht deine neues Album, aber die älteren CDs gefallen mir viel besser." Dann wird es mich - wie bei den letzten fünf Produktionen - innerlich zerbersten und ich werde die Welt und ihre rüpelhaften Bewohner wieder einmal verfluchen, dann gehe ich zu meiner Freundin C., phil. lic. Psychologin im Bundesamt für irgendetwas, sie tröstet, berät und baut mich dann wieder auf.

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